|
Warum hilft regelmässiges Laufen bei Sklerodermie? Erkenntnisse der SportphysiologieLaufen ist gesund sagt man. Aber das reicht als Erklärung für die positiven Erfahrungen unserer Sklerodermie-Patientinnen und -Patienten, die am Berlin Marathon 2011 teilgenommen und bravurös gemeistert haben, nicht aus.Von den sportmedizinisch bekannten Wirkungen des regelmässigen Lauftrainings auf den Organismus sind vor allem folgende Effekte für die Behandlung der Sklerodermie von Interesse:1. Ausdauertraining verbessert die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung des Gewebes:
a. Die Stresstoleranz wird erhöht. Die Reaktion der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin auf den Körper wird durch regelmässiges Lauftraining vermindert. Der Vagotonus („Erholungsnervensystem“) erhöht sich, der Sympathikotonus verringert sich (Senkung des Stresshormonspiegels). Es kommt zur Ökonomisierung autonomer Regulationsmechanismen, d.h. bei gleicher Belastung kommt es zu einer geringeren Stresshormonausschüttung. Adrenalin und Noradrenalin haben u.a. eine gefässverengende Wirkung („blass vor Schreck“). Durch das Lauftraining werden körperlicher Stress, zum Beispiel Kältestress, und seelischer Stress besser toleriert. Die stressbedingte gefässverengende Wirkung („Raynaud Phänomen“) wird abgeschwächt. b. Die Endothelfunktion der Gefässwände wird verbessert. Die Innenauskleidung (Endothel) der kleinen Gefässe nimmt in der Krankheitsentwicklung bei Sklerodermie eine Schlüsselstellung ein. Veränderungen des Endothels sind bei Sklerodermie früh nachweisbar. Durch das Lauftraining wird die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) in der Gefässwand erhöht. Mit Hilfe des NO wird der Gefässtonus gesteuert und damit die Anpassung an den notwendigen Blutfluss. NO führt über Enzymaktivierung und cGMP-Produktion zur Senkung der Kalziumkonzentration in der Zelle und damit zur Gefässweitstellung (Vasodilatation). Man nimmt an, dass die Scherkräfte einer beschleunigten Blutströmung während körperlicher Anstrengung zu einer vermehrten Expression der endothelialen NO-Synthase (eNOS) und deren Phosphorylierung führt. Es kommt zu einem erhöhten NO-Spiegel durch gesteigerte NO-Produktion sowie zur Hemmung des NO-Abbaus. c. Langfristig führt regelmässiges Ausdauertraining zu einer nachhaltigen Gefässererweiterung. Es kommt zu einer besseren Kapillarisierung und damit Durchblutung des Gewebes. Ausdauertraining ist ein starker Stimulus für eine Kapillarbildung im Skelettmuskelgewebe sowohl durch Umfomung und Lumenerweiterung als auch durch neu aussprossende Kapillaren. Wachstumsfaktoren wie der Vascular endothelial growth factor (VEGF) sind nach Ausdauertraining vermehrt nachweisbar. Bereits nach moderatem Ausdauertraining finden sich vermehrt Stammzellen im Blut (sog. Progenitorzellen), die in kritisch durchbluteten Arealen eine Gefässaussprossung einleiten können. d. Trainingsbedingt kommt es zu einer Verbesserung der Fliesseigenschaften des Blutes (bessere Verformbarkeit der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), verminderte Zusammenlagerung der Blutplättchen). Die Erythrozyten können dadurch leichter durch Engstellen der Gefässe fliessen und das umliegende Gewebe besser mit Sauerstoff versorgen. e. Trainingsbedingt kommt es zur besseren Ausnutzung des Sauerstoffs aufgrund einer Vermehrung oxidativer Enzyme 2. Ausdauertraining verbessert die Ökonomie der Atmung, d.h. es kommt zu einer grösseren Sauerstoffübernahme ins Blut aus einer bestimmten Menge eingeatmeter Luft.
a. Als Folge einer Zunahme der Respirationsfläche (Fläche der gasaustauschenden Alveolen) b. Als Folge einer Durchblutungsvermehrung der Lunge, speziell der oberen Lungenlappen c. Als Folge einer Verbesserung der alveolo-kapillären Diffusionskapazität (grössere Durchlässigkeit zwischen Lungenbläschen und Kapillaren) d. Als Folge einer Erweiterung des Kapillarnetzes sowie der Lungenarterien und Lungenvenen (= erweiterte Gasaustauschfläche seitens des Blutes) e. Als Folge einer Stärkung der Atemmuskulatur
3. Ausdauertraining verbessert das psychische Wohlbefinden. Die Depressivität nimmt ab.
a. Es gibt eine Verbindung zwischen Freizeitaktivität und herabgesetzter Depressivität, ängstlicher Spannung und psychischem Wohlbefinden b. Saisonale Stimmungsschwankungen („Winterdespression“) nehmen ab c. Ein 3-mal wöchentliches Dauerlaufen von 30-40 Minuten Dauer zeigte bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Depression ebenso gute Ergebnisse wie eine Gesprächstherapie d. Als Ursache für die antidepressive Wirkung des Sports werden Endorphinanstiege diskutiert und eine Erhöhung hirnspezifischer Peptide durch körperliches Training. Durch einen Anstieg von Tryptophan im Blut und erleichtertem Eintritt von Tryptophan ins Gehirn wird vermehrt Serotonin gebildet, was mit einem stimmungsaufhellenden Effekt verbunden ist. Möglicherweise spielt auch eine vermehrte Hirndurchblutung eine Rolle e. Die Kombination aus Ausdauertraining mit antidepressiven Medikamenten hatte eine stärkere antidepressive Wirkung als eine allein medikamentöse Therapie. f. Die Rückfallquote war bei Sportlern, die über die Zeit der medikamentösen antidepressiven Therapie hinaus ihr Ausdauertraining fortsetzten signifikant geringer als bei denjenigen, die ihr Ausdauertraining beendeten. LiteraturM. Muster, R. Zielinski. Bewegung und Gesundheit. Gesicherte Effekte von körperlicher Aktivität und Ausdauertraining. Steinkopf Darmstadt. 2006 D. Kleinmann. Laufnebenwirkungen. Deutscher Ärzteverlag Köln. 2. Überarbeitete Aufl. 2009
|
Sensationell: 6 Sklerodermie-Patientinnen und - Patienten laufen den Berlin Marathon 2011. Lesen Sie den Bericht und Hintergrund! KONTAKT Reha Rheinfelden
LEITENDER ARZT Privatdozent
Sprechstunde in Rheinfelden: donnerstags und freitags nach telefonischer Anmeldung unter +41 (0)61 836 5235 Telefonsprechstunde Unsere Web Site befindet sich noch im Aufbau und steht Ihnen demnächst vollumfänglich zur Verfügung. |