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«Problem Sklerodermie
Eine Krankheit mit vielen Gesichtern»

 

Silikonimplantate und Sklerodermie - was ist bekannt?

Seit mehr als 50 Jahren werden Brustimplantate verwendet. In den USA kommen diese heute bei 1 von 100 Frauen über 15 Jahre zum Einsatz. Schon bald nach den ersten Brustersatzplastiken mit Silikon wurden  Berichte über eine mögliche Auslösung von Sklerodermie publiziert. Bis heute wird diese Frage heftig diskutiert. In einer Übersichtsarbeit zum Thema Silikon und Sklerodermie nehmen Lidar und Mitarb. vom The Chaim Chebar Medical Center/Israel hierzu ausführlich Stellung (Lupus 2012: 21,121-127).

Silikone sind synthetische Polymere, die lange Zeit als biologisch inert galten und deshalb im Bereich der Medizin zum Beispiel in Herzklappen, Gelenkimplantaten, Shunts und Augenlinsen zum Einsatz kamen, seit Anfang der 60er Jahre zunehmend auch in Brustimplantaten.

Brustimplantate aus Silikon bestehen aus einer gummiartigen Hülle von zu einem Elastomer quervernetzten Polymeren und einem gelartigen Kern langkettiger Silikonpolymere. Ausserdem existieren Brustimplantate aus Silikon mit Kochsalzlösung im Kern.

Für den Körper sind diese Implantate Fremdkörper, die durch Makrophagen (Fresszellen) nicht abgebaut werden können. Die natürliche Abwehrreaktion ist deshalb die Bildung einer bindegewebigen Hülle um das Implantat. Komplikationen dieser Fremdkörperreaktion sind das Auftreten einer Kapselkontraktur bei ca. jedem zweiten Implantat mit Silikonkern und die Diffusion von Silikon in die Umgebung auch bei intakter Hülle, das sog. silikon bleeding. Weitere Komplikationen sind bakterielle Infektionen durch Hautbakterien, die das Risiko einer Kapselkontrakur erhöhen sowie allergische Reaktionen auf das Silikon selbst oder auf Zusätze zum Silikon zum Beispiel durch Katalysatoren aus Platin.

Darüber hinaus können Abbauprodukte des Silikons im menschlichen Körper systemische Immunreaktionen auslösen. Dieses Risiko ist besonders hoch, wenn es zum sog. silikon bleeding kommt. Autoimmunreaktionen auf Silikon können durch Autoantikörper gegen Silikon im Kapselgewebe, besonders nach Kapselruptur auch im Blut der Betroffenen nachgewiesen werden. Darüber hinaus wurden im Tierversuch mit Mäusen weitere Autoantikörper gefunden, die für Kollagenosen typisch sind zum Beispiel anti-dsDNA Antikörper und der Rheumafaktor. Erhöhte Antikörpertiter gegen dsDNA, ssDNA, SSB/La, Silikon und Kollagen liessen sich auch bei 2 bis 13% asymptomatischer und bei bis zu 20% symptomatischer (Schmerzen, Müdigkeitssyndrom) Implantatträgerinnen nachweisen.

Kumagai et al. beschrieben 1984 24 Patientinnen mit Rheumatoider Arthritis, Systemischem Lupus erythematodes, Polymyositis und Systemischer Sklerodermie, die vor Ausbruch der Krankheit Silikon-Brustimplantate erhalten hatten. Das relative Risiko für eine systemische Sklerodermie lag in dieser Gruppe 3fach höher als in der Vergleichsgruppe. Weitere Berichte anderer Autoren über Autoimmunkrankheiten einschliesslich Kollagenosen nach Silikon-Brustimplantationen folgten.

Demgegenüber konnte in einer grossen Meta-Analyse von Janowsky et al. aus dem Jahr 2000, berücksichtigt wurden 20 Fallkontrollstudien und Kohorten, kein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für Kollagenosen nach Silikonimplantationen errechnet werden. Auch das National Science Panel, das den gleichen Sachzusammenhang untersuchte, konstatierte 1998 keinen Zusammenhang zwischen Autoimmunkrankheiten beim Menschen und der Implantation von Silikon-Brustimplantaten. So hatten zum Beispiel in den Jahren 1986-1992 von 4229 Patienten einer grossen rheumatologischen Praxis in den USA 150 Patientinnen ein Silikonimplantat. Keine von Ihnen entwickelte im Beobachtungszeitraum eine Systemische Sklerodermie.

Auch weitere prospektive Untersuchungen konnten kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer systemischen Sklerodermie nach Silikon-Brustimplantaten nachweisen (745 Frauen mit Brustimplantaten, Vergleichsgruppe 1498 Frauen ohne Implantation, durchschnittlicher prospektiver Untersuchungszeitraum 7,8 Jahre, Gabriel et al, New Engl J Med, 1994).

Im Unterschied dazu wurde in der gross angelegten Womens Health Cohort Study, untersucht wurden 395000 Frauen im Alter 45 oder älter, ein leicht erhöhtes Risiko für systemische Sklerodermie durch Silikon-Brustimplantate erechnet werden ( JAMA 1996). Primär hatte diese Studie aber einen anderen Sachzusammenhang geprüft: die primäre Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch ASS und Antioxidantien. Deshalb konnte diese Studie in der grosse Metaanalyse aus dem Jahr 2000 (s.o.) aus methodischen Gründen nicht berücksichtigt werden.

Zusammengefasst konnte in den bisherigen kontrollierten randomisierten prospektiven Studien kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer systemischen Sklerodermie nach Silikonbrustimplantaten belegt werden. Einschränkend kann bemängelt werden, dass in den genannten Studien mit negativem Ergebnis der Nachbeobachtungszeitraum unter Umständen zu kurz gewählt wurde, um eine sich über die Jahre zunächst schleichend entwickelnde Sklerodermie zu erfassen.

Anmerkung (MB): Hierbei kann auch bedeutsam sein, dass erst 2010 international gültige Kriterien für die Frühdiagnose der systemischen Sklerodermie festgelegt wurden. Bis heute wird die systemische Sklerodermie oft jahrelang wegen zunächst geringer Symptome oder wegen ungenügender Abklärung eines Raynaud Phänomens fehlerkannt. Ein ähnliches Problem betrifft die Anerkennung einer systemischen Sklerodermie durch Silikatbelastung im Bergbau. Hier wie dort kann der Starter für die Auslösung einer Autoimmunkrankheit durch Umweltfaktoren u.U. jahrzehntelang zurück liegen bzw. kann es entsprechend lange dauern, bis aus genetischer Anlage und auslösendem Umweltfaktor die Autoimmunkrankheit entsteht.

 

Sklerodermie und Triathlon

Eine Patientin mit systemischer Sklerodermie schafft den Triathlon (1,9 km Schwimmen + 90 km Radfahren + 21 km Laufen) in knapp 6 Stunden und 40 Minuten.

 

Die Reha Rheinfelden gratuliert zu dieser herausragenden sportlichen Leistung!

 

(Sklerodermie News v. 7. September 2017) 

 

 

 

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