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Aktuelle Broschüre als PDF
«Problem Sklerodermie
Eine Krankheit mit vielen Gesichtern»

 

Sklerodermie und Coronavirus

  • Woher kommt das SARS Cov 2 Virus? (update1)

  • Was macht Covid-19 so gefährlich?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie kann ich mich anstecken?

  • Wie wird eine Covid-19 Infektion diagnostiziert?

  • Ich weiss nicht, ob ich mich angesteckt habe.
    Wie soll ich mich verhalten?

  • Kann ich mich, zusätzlich zur Beobachtung von Symptomen,
    selbst überwachen?

  • Was ist bei der häuslichen Selbstisolation zu beachten?

  • Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen?

  • Richtige Verwendung der Hygienemasken

  • Wenn ich mich noch nicht mit dem Coronavirus angesteckt habe:
    Kann ich noch etwas vorsorglich tun?

  • Soll ich mich jetzt noch gegen Pneumokokken impfen lassen ?

  • Soll ich meine immunsuppressiven Medikamente absetzen?

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Einleitung

Aktuell gibt es keine wissenschaftlichen Publikationen zur besonderen Gefahr einer Infektion mit dem neuen Corona-Virus für Patientinnen und Patienten mit systemischer Sklerodermie. Die drastischen Massnahmen verschiedener Länder weltweit mit in Friedenszeiten nie dagewesenen Begrenzungen der individuellen Bewegungs- und Versammlungsfreiheit machen aber deutlich, dass eine Infektion mit dem «SARS-CoV-2-Virus» extrem ernst genommenwerden muss.


 

Diese Massnahmen, in Verbindung mit den persönlichen Hygienemassnahmen, sollen die Geschwindigkeit der Ausbreitung der Virusinfektion von Mensch zu Mensch soweit verlangsamen, dass die Zahl der Personen, die schwerer an einer Infektion mit dem neuen Coronavirus erkranken werden, möglichst klein gehalten wird. Dies ist notwendig, um genügend medizinische Versorgungskapazität in den Spitälern zur Verfügung stellen zu können,insbesondere Plätze auf den Intensivstationen, mit der Möglichkeit einer künstlichen Beatmung.

 

 

Woher kommt das SARS Cov 2 Virus?
Wissenschaftler haben heraus gefunden, dass das Virus, dass die Covid 19 Infektion beim Menschen verursacht, von Fledertieren, zu denen auch die Fledermaus gehört, stammt. Fledermäuse sind im Unterschied zum Menschen gegen das  SARS Cov 2 Virus immun. Die Übertragung des Virus von der Fledermaus auf den Menschen geschah sehr wahrscheinlich durch den Genuss von Fledertieren (Fleisch der Fledermaus als Nahrungsquelle für den Menschen in China). Die rasche Verbreitung des Virus von Mensch zu Mensch hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass sich dieses Virus in der Rachenhinterwand des Menschen vermehrt, von wo es mit der Ausatmung besonders beim Husten oder Niesen freigesetzt wird. 


Was macht Covid-19 so gefährlich?

Die Ansteckungsgefahr mit dem SARS-CoV-2 Virus ist hoch. Noch gibt es weder ein wirksames Medikament zur Behandlung der Infektionskrankheit Covid 19 noch eine Impfung, die vor einer Erkrankung mit dem  SARS-CoV-2 Virus schützt. Es gibt Hinweise, dass das Medikament Remdesevir, das bereits früher gegen die Viruskrankheit SARS entwickelt wurde,  die Krankheitsdauer bei Covid 19 abkürzen kann. Ausserdem scheint sich Tocilizumab, ein monoklonaler Antikörper gegen den Entzündungsmbotenstoff Interleukin 6 (IL-6), der für die rheumatoide Arthritis zugelassen ist und auch bei systemischer Sklerodermie eingesetzt wird, die Krankheitsausprägung bei Covid 19 günstig zu beeinflussen. Die positiven Zwischenergebnisse der Wirksamkeit von Remdesivir und Tocilizuimab bei Covid-19 müssen aber noch durch kontrollierte Untersuchungen abgesichert werden. 

Etwa jeder 5. , der mit dem SARS-CoV-2 Virus infiziert wurde, entwickelt eine schwere überwachungspflichtige Lungeninfektion. Ein nicht geringer Teil der so Betroffenen muss künstlich beatmet werden.


Wer ist besonders gefährdet?
Besonders gefährdet, und das sind die Erfahrungen aus China, wo die Pandemie mit dem neuen Coronavirus ihren Anfang genommen hat, sind ältere Mitmenschen und Menschen mit schweren Grundkrankheiten wie zum Beispiel


  • Bluthochdruck 
  • Chronische Atemwegserkrankungen 
  • Diabetes 
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen 
  • Erkrankungen der Leber und der Niere 
  • Krebs 
  • Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen

 

Daraus kann abgeleitet werden, dass eine Covid 19-Infektion für Patienten mit systemischer Sklerodermie wahrscheinlich besonders riskant ist, besonders wenn die Lunge durch die Sklerodermie bereits vorgeschädigt ist (Sklerodermie-bedingte Lungenfibrose), eine Herzbeteiligung im Rahmen der Sklerodermie besteht oder die Sklerodermie mit immunsuppressiven Medikamenten behandelt wird.  Es bedeutet zugleich, dass sich Patienten mit systemischer Sklerodermie mit Lungen- und/oder Herzbeteiligung und/oder immunsuppressiver Therapie mehr noch als die Allgemeinbevölkerung vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen müssen.


Wie kann ich mich anstecken?
Bei engem und längerem Kontakt: Wenn man zu einer erkrankten Person länger als 15 Minuten weniger als 2 Meter Abstand hält.
Durch Tröpfchen: Wenn die erkrankte Person niest oder hustet. Hierdurch können die Viren direkt auf die Schleimhäute von Nase, Mund oder Augen von anderen Menschen gelangen.
Über die Hände: Ansteckende Tröpfchen aus Husten und Niesen können sich an den Händen befinden. Sie gelangen an Mund, Nase oder Augen, wenn man dieseberührt.

 

 

Wie wird eine SARS-CoV-2-Ifektion diagnostiziert?

Wann welcher Test und was sagt der Test aus?


Aktuelle Laborempfehlungen (Mai 2020) 

Zitiert werden im Folgenden die aktuellen Aussagen des Labors Viollier (Schweiz)  - newsletter 311/05.2020 und 312 / 05.2020

 

1.   Nachweis des Coronavirus SARS-CoV-2. PCR-Diagnostik bei allen Verdachtsfällen indiziert


a.      Der Test wird allen symptomatischen Personen empfohlen. Für die Eindämmung der Ausbreitung spielt die rasche Diagnostik bei Verdachtsfällen       eine wichtige Rolle

b.       Indikationen für den Test:

                                 - Symptome einer akuten Atemwegserkrankung (z.B. Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit) mit oder ohne Fieber, Fiebergefühl oder Muskelschmerzen und / oder

                                 - Plötzlich auftretender Verlust des Geruchs- oder Geschmacksinns

                                -  24 Stunden - 48 Stunden vor Spitaleintritt

                                -  Vor Auslandsreisen

c.     Der Virusnachweis erfolgt mittels Real-Time Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Gegenwärtig sind für die Diagnose einer akuten SARS-CoV-2-     Infektion nur PCR-Tets verlässlich. Die Proben müssen aus den oberen oder unteren Atemwegen entnommen werden. Antikörpertests sind nicht  geeignet für den Nachweis einer akuten SARS-CoV-2-Infektion

 

2.    SARS-CoV-2 IgG-Antikörper-Nachweis. Nachweis einer Immunantwort

a.    Der Antikörpertest zeigt, ob bereits eine Infektion mit dem COVID-19-Erreger stattgefunden hat - symptomatisch oder asymptomatisch. Eine Bestimmung der Antikörper ist frühestens 14 Tage nach Symptombeginn sinnvoll. Zur Zeit ist nicht bekannt, ob eine durchgemachte Infektion eine schützende Immunität hinterlässt. Daher ist wichtig, dass auch Personen mit Antikörpern gegen SARS-CoV-2 die Hygiene - und Verhaltensregeln weiterhin befolgen. Der Antikörper-Nachweis ist nicht für die Diagnose einer akuten Infektion geeignet. Ein negatives Resultat schliesst eine Infektion nicht aus.

b.    Indikationen für den Antikörpertest

                                  i.      Immunantwort nach Infektion

                                 ii.      Immunstatus nach möglicher COVID-19-Erkrankung

                                iii.      Immunantwort nach vorgängiger Exposition

                                 iv.      Bitte beachten Sie die Informationen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG)  bag.admin.ch

c.    Spezifische SARS-CoV-2 IgG werden aus Serum mittels Immunoassay nachgewiesen. Bei negativem Ergebnis und anhaltendem Verdacht empfehlen wir (Anmerkung: Empfehlungen des Labors Viollier) eine Verlaufskontrolle nach 2-3 Wochen. Bei Verdacht auf eine akute Infektion ist ein Virusnachweis mittels PCR indiziert.

 

 

Blutuntersuchung

Chinesische Covid-2019 Patienten mit Lungenbeteiligungwiesen häufig folgende Veränderungen im Blut auf:


Verminderung der Lymphozyten-Konzentration im Blut(Lymphopenie)


Erhöhung der LDH

Erhöhung der Kreatinkinase

Erhöhte Leberwerte

Ein erhöhtes CrP

Erhöhte D-dimere


Röntgenuntersuchung (CT)
Hilfreich kann zusätzlich auch die Durchführung eines Computertomogramms der Lunge sein (Lungen-CT), das oft sehr früh typische Veränderungen einer Covid-2019 Infektion aufweist («ground glas opacities»).


Ich weiss nicht, ob ich mich angesteckt habe. Wie sollich mich verhalten?

Für Patienten mit systemischer Sklerodermie empfehle ich folgendes Vorgehen:


Fall 1

Sklerodermie-Patient entwickelt Symptome, die bei einer Covid-19 Infektion auftreten (siehe oben):

 

Massnahmen: häusliche Selbstisolation + Abstrichuntersuchung auf Coronavirus durch den Arzt (nach vorheriger telefonischer Rücksprache). Bei geringen Beschwerden: Abwarten des Laborergebnisses zu Hause. Bei stärkeren Beschwerden z.B. zunehmende Atemnot: Laborergebnis nicht abwarten. Stationäre Beobachtung und Therapie.


Fall 2

Sklerodermie-Patient hat keine Symptome, die bei einer Covid-19 Infektion auftreten, hat aber Kontakt zu Personen gehabt, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden oder hat sich in einem sog. Risikogebiet aufgehalten:


Massnahmen: häusliche Selbstisolation + Abstrichuntersuchung auf Coronavirus durch den Arzt (nach telefonischer Rückspache). Abwarten des Laborergebnisses zu Hause. Bei positivem Virusnachweis ohne Symptome: häusliche Selbstisolation fortsetzen. Bei Entwicklung von Symptomen einer Covid-19 Infektion: stationäre Beobachtung und Therapie.


Ich weiss nicht, ob ich mich angesteckt habe. Kann ich mich, zusätzlich zur Beobachtung von Symptomen, selbst überwachen?

Keine allgemeine Empfehlung aber möglicherweise hilfreich können sein:

Tägliche Temperaturkontrolle

Um einen möglichen Temperaturanstieg als Zeichen einer beginnenden Infektion frühzeitig zu erfassen, dokumentieren Sie Ihre Hauttemperatur im Bereich der Achsel und / oder unter der Zunge («Fiebermessung»), am besten immer zur vergleichbaren Uhrzeit z.B. nach dem Aufstehen und vor dem Zubettgehen. Steigt die Körpertemperatur an, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt.


Messung der Sauerstoffsättigung im Blut über die Haut

Mit der sogenannten Pulsoximetrie misst man die sogenannte Sauerstoffsättigung des Blutes, die auch etwas über die Qualität der Lungenatmung aussagt. Ein kleines Messgerät, das im Fachhandel erworben werden kann, gibt an, wie viel Prozent des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin im Blut mit Sauerstoff beladen sind. Im Normalfall  beträgt sie in etwa 95% bis 99%. Werte von 93% oder weniger sind als kritisch zu betrachten und müssen von einem Arzt weiter abgeklärt werden. Wichtig: die Messung der Sauerstoffsättigung sollte über einen Ohrclip erfolgen, da die allgemein übliche Messung mit einem Fingerclip wegen der bei Sklerodermie häufig schlechten Fingerdurchblutung oft nicht aussagekräftig ist.



Was ist bei der häuslichen Selbstisolation zu beachten?

Bis zur Klärung der Diagnose und bei nur leichten Gesundheitseinschränkungen empfiehlt sich die häusliche Selbstisolation. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt:


Selbstisolation - Wenn Sie alleine leben

• Lassen Sie sich Lebensmittel sowie andere unverzichtbare Produkte wie z. B. Medikamente durch Familienangehörige, Freunde oder einen Lieferservice vor die Haustür liefern.

 

Selbstisolation - Wenn Sie mitanderen Personen im gleichen Haushalt leben

• Richten Sie sich allein in einem Zimmer bei geschlossenen Türen ein und nehmen Sie die Mahlzeiten in Ihrem Zimmer ein. Lüften Sie Ihr Zimmer regelmässig.

• Vermeiden Sie jegliche Besuche und Kontakte und verlassen Sie das Zimmer nur, wenn nötig.
• Halten Sie Abstand zu anderen Personen (mindestens 2 Meter).

• Waschen Sie sich regelmässig die Hände.

• Benutzen Sie Ihr eigenes Badezimmer. Wenn dies nicht möglich ist, reinigen Sie die gemeinsamen sanitären Anlagen (Dusche, Toilette,Waschbecken) nach jedem Gebrauch mit einem normalen Haushalt-Desinfektionsmittel.

• Teilen Sie Ihre Haushaltsgegenstände wie Geschirr,Gläser, Tassen oder Küchenutensilien nicht mit anderen Personen. Reinigen Sie diese Artikel nach Gebrauch sorgfältig in der Abwaschmaschine oder mit Wasser und Seife.

• Teilen Sie Handtücher oder Bettwäsche nicht mit anderen Personen. Waschen Sie Ihre Kleider, Bettwäsche und Badhandtücher regelmässig in der Maschine.  

              

Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen?
Auch wenn es immer wieder heisst, dass eine Schutzmaske nicht sicher vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt, so sollten aus meiner Sicht Sklerodermie- Patienten mit den o.g. Zusatzrisiken eine solche Schutzmaske immer dann tragen, wenn Sie in engeren Kontakt mit anderen Menschen sind, besonders auf der Strasse, beim Einkaufen, in Bus und Bahn. 


Auf der Internetseite des Bundesamtes für Gesundheit(BAG) heisst es:  "Schutzmaterial soll primär zum Schutz von Gesundheitsfachpersonen, die Patienten oder Klientinnen untersuchen, pflegen oder beraten sowie zum Schutz besonders gefährdeter Personen eingesetzt werden".


Zu den Schutzmassnahmen gehören: 

  • Schutzmasken 
  • Schutzbrillen 
  • Handschuhe 
  • Überschürzen


Weiterhin empfiehlt das BAG: "Personen mit akuten Atemwegserkrankungen, die ausser Haus müssen (z. B. Arztbesuch) und die den Mindestabstand von 2 m zu anderen Personen nicht einhalten können, eine Hygienemaske zu tragen (falls verfügbar)".


 

Richtige Verwendung der Hygienemasken  (Empfehlungen des BAG)

Waschen Sie sich vor dem Anziehen der Maske die Hände mit Wasser und Seife oder mit einem Desinfektionsmittel.


Setzen Sie die Hygienemaske vorsichtig auf, so dass sie Nase und Mund bedeckt, und ziehen Sie sie fest, so dass sie eng am Gesichtanliegt.


Berühren Sie die Maske nicht mehr, sobald Sie sie aufgesetzt haben. Waschen Sie sich nach jeder Berührung einer gebrauchten Hygienemaske, z. B. beim Abnehmen, die Hände mit Wasser und Seife oder mit einem Desinfektionsmittel.


Hygienemasken können für mindestens 2 bis 4 Stunden (bis zu 8 Stunden) getragen werden, auch wenn sie feucht sind.


Dann ersetzen Sie sie durch eine neue, saubere und trockene Hygienemaske.


Einweg-Hygienemasken dürfen nicht wiederverwendet werden.


Werfen Sie die Einweg-Hygienemasken nach jeder Verwendung sofort nach dem Ausziehen weg.


 

Wenn ich mich noch nicht mit dem Coronavirus angesteckthabe: Kann ich als Sklerodermie-Patient zusätzlich zu den oben genannten Schutzmassnahmen noch etwas vorsorglich tun?

Die Stärkung der Lunge durch eine reflektorische Atemtherapie sowie durch Trainingsmassnahmen zur Kräftigung der Atemmuskulatur und die Stärkung des Herz-Kreislauf-Atemwegssystems durch ein sogenanntes aerobes Ausdauertraining sind allgemeine Empfehlungen der Gesundheitsvorsorge bei Sklerodermie und aus meiner Erfahrung für den Verlauf der systemischen Sklerodermie sehr hilfreich. Diese Massnahmen können eine Infektion mit demSARS-CoV-2-Virus nicht verhindern, möglicherweise aber den Verlauf der Krankheit abschwächen. Auch andere allgemeine Massnahmen derGesundheitsvorsorge (ausreichend Schlaf, Reduzierung von Stress, gesunde ausgewogene Ernährung, Aufenthalt in frischer Luft) dürfen nicht vernachlässigt werden.

 

Soll ich mich jetzt noch gegen Pneumokokken impfen lassen?

Pneumokokken sind Bakterien und können eine gefährliche Lungenentzündung (Pneumokokken-Pneumonie) hervorrufen. Eine Impfung von Sklerodermiepatienten gegen diesen Erreger ist möglich und sinnvoll, auch und gerade in Zeiten der Corono-Pandemie. Eine Impfung gegen Pneumokokken kann zwar eine Ansteckung mit dem Coronavirus nicht verhindern und auch keine Lungenentzündung durch das Coronavirus. Eine Impfung gegen Pneumokokken (z.B. mit dem Impfstoff Pneumovax) kann aber die Gefahr einer Zweitinfektion der Lunge mit Pneumokokken als Komplikation der Covid 19-Infektion verhindern und damit die Überlebenschancen verbessern.  Die Impfung ist gut verträglich. Sie muss nach einem Jahr wiederholt werden (=Grundimmunisierung) und dann alle 5 Jahre erneuert werden.

 

 

Soll ich meine immunsuppressiven Medikamente absetzen?
Immunsuppressive Medikamente sollten immer nur nach Rücksprache mit dem verordnenden Sklerodermie-Spezialisten vorübergehend pausiert oder abgesetzt werden. Es gibt erste Hinweise, dass sich die Einnhame von Tocilizumab, das den Rezeptor von Interleukin 6 blockiert und damit Entzündungsvorgänge im Körper reduziert, günstig auf den schweren Verlauf der Covid-19 Infektion auswirkt. 
 Tocilizumab wird mit unterschiedlichem Erfolg auch zur Behandlung der Haut- und Lungenbeteiligung (Hautsklerose, Lungenfibrose) der Sklerodermie eingesetzt. Insofern kann es sinnvoll sein, die Therapie mit Tocilizumab in diesen Fällen beizubehalten, sofern die Tozilicumab-Therapie im Einzelfall nachweislich erfolgreich ist. Kritisch anzumerken bleibt. dass die Infektonsgefahr durch Tocilizumab signifikant zunimmt.


Meine persönliche Meinung zu diesem Thema:
Die medikamentöse Immunsuppression konnte bisher nur teilweise und nur bei Patienten mit diffuser systemischer Sklerodermie bei der Behandlung der Lungenfibrose und bei der Behandlung der Hautsklerose nachweisbar helfen.Bislang fehlen überzeugende Daten, dass eine medikamentöse Immunsuppression bei Patienten mit limitierter systemischer Sklerodermie nützlich ist. Deswegen empfehle ich meinen Sklerodermie-Patienten während der aktuellen Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus folgendes Vorgehen:


  • Keine systemische Immunsuppression bei Patienten mit limitierter systemischer Sklerodermie 
  • Keine systemische Immunsuppression bei Patienten mit diffuser systemischer Sklerodermie ohne Lungenbeteiligung (Lungenfibrose) 
  • Sofern das Verlassen der eigenen vier Wände notwendig ist: striktes Einhalten der Hygiene- und Abstandsmassnahmen inklusive Tragen einer FFP-2 Schutzmaske von Patienten mit diffuser systemischer Sklerodermie, die wegen ihrer Lungenbeteiligung auf die Gabe von Immunsuppressiva angewiesen sind 

 

 

 

 

 

 

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