Müdigkeit und Erschöpfung bei systemischer Sklerodermie (7.1.2009)
Eine Arbeitsgruppe aus Baltimore/USA um Sandusky und Mitarbeitern untersuchte, wie häufig Müdigkeit und
Erschöpfung (fatigue) bei systemischer Sklerodermie (SSc) vorkommen und
welchen Einfluss Müdigkeit und Erschöpfung auf physikalische und
soziale Krankheitseinschränkungen der Patienten haben.
Die Autoren berichten über 107 Patienten mit SSc aus verschiedenen universitären Zentren, die auf die Parameter Müdigkeit und Erschöpfung, Schlafqualität, Schmerz, depressive Symptome und physikalische bzw. soziale Funktionen untersucht wurden. 76% der Patienten berichteten über Müdigkeit und Erschöpfung. Davon gaben 61% an, dass diese Faktoren zu den drei für sie wichtigsten Einschränkungen im Rahmen der Sklerodermie gehören. Kein Unterschied zeigte sich zwischen Patienten mit limitierter und mit diffuser SSc. Patienten mit stärkeren Schmerzen gaben mehr Müdigkeit und Erschöpfung an als Patienten mit weniger Schmerzen. Die weitere Analyse der Daten zeigte, dass Müdigkeit und Erschöpfung bei Sklerodermie mit Einschränkungen der physikalischen Funktion (Beweglichkeit und Kraft) korrelieren, ebenso mit der Schlafqualität, mit depressiven Stimmungen und mit sozialen Funktionseinschränkungen. Die Regressionsanalyse zeigte, dass das Ausmass von Müdigkeit und Erschöpfung nur dann ein geeigneter und unabhängiger Vorhersageparameter für Einschränkungen der physikalischen Funktion bei Sklerodermie ist, wenn der Schmerz als zusätzlicher Einflussfaktor unberücksichtigt bleibt.. Keine signifikante Korrelation zeigte sich zwischen globaler Erschöpfung und Müdigkeit zu Alter und Geschlecht der Patienten, der ethnischen Zugehörigkeit, zum sozialen Status und dem sozialen Netzwerk, zur Krankheitsdauer und zum Subtyp der Sklerodermie. Demgegenüber korrelierten Einschränkungen in der physikalischen Funktionsfähigkeit der Patienten mit verschiedenen demografischen Variablen, dem Subtyp und der Dauer der Erkrankung sowie mit dem Ausmass von Schmerz, der Schlafgüte und dem Grad depressiver Symptome. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass insbesondere die frühzeitige und ausreichende Kontrolle von Schmerzen bei Sklerodermie von zentraler Bedeutung ist und wahrscheinlich auch die Müdigkeit und Erschöpfung der Patienten bessern kann
Fatigue: an overlooked determinant of physical function in scleroderma.
Sandusky SB, McGuire L, Smith MT, Wigley FM, Haythornthwaite JA
Rheumatology (Oxford). 2008 Dec 23. [Epub ahead of print]
Anmerkung: Müdigkeit und körperliche Erschöpfung treten häufig schon früh im Rahmen der systemischen Sklerodermie auf und können sich durch zunehmende Organkomplikationen (z.B. kardio-pulmonale Beteiligung, nachlassende muskuläre Kraft, unerwünschte Medikamentenwirkungen) weiter verstärken . Die Rehabilitation der Sklerodermie berücksichtigt diese Faktoren durch ein angepasstes und gezieltes körperliches Training (sog. medizinische Trainingstherapie) sowie, wenn nötig durch eine Umstellung bzw. Anpassung von Medikamenten. Auch eine Berücksichtigung des Ernährungszustandes der Patienten ist von Bedeutung.