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Aktuelle Broschüre als PDF
«Problem Sklerodermie
Eine Krankheit mit vielen Gesichtern»

 

Schweinegrippe und Systemische Sklerodermie

Teil 1:  So schützen Sie sich!

 

Medien und Politik, Gesundheitsämter und Ärzte äussern sich derzeit recht widersprüchlich zur weltweiten Schweinegrippe. Probleme mit der Verteilung des Impfstoffs kommen hinzu. Die Menschen sind verunsichert, gesunde und kranke gleichermassen. Dennoch darf die Gefahr durch das Schweinegrippevirus mit dem Namen A H1N1/09 gerade für chronisch Kranke nicht unterschätzt werden. Dies gilt auch für Patienten mit systemischer Sklerodermie. Fragen von besorgten Sklerodermiepatienten zur Gefährlichkeit der Schweinegrippe erreichen zunehmend auch unser Zentrum. Aus diesem Grund sollen im folgenden die wichtigsten Fragen und Ratschläge rund um die Schweinegrippe und wie man sich vor ihr schützen kann, beantwortet werden.

 

Was macht das Schweinegrippevirus für Sklerodermiepatienten so gefährlich?

 

Hierbei lehnen wir uns an allgemeine Ausführungen von Professor Kekulè, dem Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Universität Halle-Wittenberg an (Fokus 9. November 2009). Professor Kekulé ist Fachmann für Infektionskrankheiten und Seuchenprävention und zugleich Mitglied der Schutzkommission beim Innenminister. Berücksichtigt werden auch Daten des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit BAG. Im Teil 2 werden die verschiedenen Impfstoffe gegen die Schweinegrippe vorgestellt, und es wird auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hingewiesen, die für Sklerodermiepatienten Bedeutung haben können.

 

Patienten mit systemischer Sklerodermie sind besonders durch Lungenkomplikationen gefährdet. Hierzu zählen die entzündlich verursachte interstitielle Lungenfibrose, also die Bindegewebsvermehrung in der Lunge mit Verlust gesunder Lungenanteile und der Lungenhochdruck mit seiner schädigenden Wirkung auf das Herz. Lungenkomplikationen sind heute für über die Hälfte der Todesursachen bei systemischer Sklerodermie verantwortlich. Das Schweinegrippevirus kann, im Unterschied zur saisonalen Grippe, sehr früh die tiefen Lungenanteile befallen und eine gefährliche Lungenentzündung (Pneumonie) auslösen. Geschieht dies bei bereits vorgeschädigter Lunge, so ist das Risiko für ein Lungenversagen umso grösser. Ein weiteres Risiko betrifft die Gefahr einer bakteriellen Lungenentzündung im Anschluss an die Virusinfektion. Hinzu kommt, dass die natürliche Abwehrkraft des Sklerodermiebetroffenen gegen Infektionserreger nicht selten durch Medikamente (sog. Immunsuppressiva) und weitere Organbeteiligungen zusätzlich herab gesetzt ist.

 

Wie unterscheiden sich die Krankheitssymptome der Schweinegrippe von der saisonalen Grippe und von einer normalen Erkältung?

 

Warnzeichen der Schweinegrippe sind neben hohem Fieber (über 95%) und Halzschmerzen (über 80%), Husten (über 90%) und Magen-Darmsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall ( ca. 50%). Der für die normale Erkältung typische Schnupfen steht bei der Schweinegrippe nicht im Vordergrund. Es kommt vielmehr zu einem sich rasch entwickelnden starken Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit und Unwohlsein (95%). Akut gefährlich ist die drohende Luftnot.

 

Demgegenüber verläuft die normale Erkältung zumeist ohne höheres Fieber und ohne Übelkeit oder Erbrechen. Die saisonale Grippe unterscheidet sich von der Schweinegrippe besonders durch das Fehlen von Magen-Darm-Symptomen (unter 5%). Während sich die normale Erkältung meist langsam über mehrere Tage entwickelt, tritt die Verschlechterung bei der Schweinegrippe rasch ein.

 

 

 

 

Erkältung oder Grippe -Typische Symptome (Anzahl der Patienten in Prozent)

 

 

Erkältung

Saisonale Grippe

Schweinegrippe

Schnupfen

0

0

40

Kopfschmerzen

25

85

60

Halsschmerzen

50

0

80

Abgeschlagenheit, Unwohlsein

0

80

95

Husten

40

90

92

Frösteln

10

90

90

Fieber > 37,5 grd C

0

95

95

Gelenk- und Muskelschmerzen

10

0

45

Durchfall oder Erbrechen oder Übelkeit

<1

<5

50

 

 

Was soll der Betroffene tun, wenn er die ersten Symptome einer Schweinegruppe an sich bemerkt?

 

Zur Zeit verläuft die Schweinegrippe in den allermeisten Fällen mild. Leichte grippale Symptome mit Halsschmerzen und Husten, gelegentlich Schnupfen, etwas Abgeschlagenheit, kaum Fieber. Patienten mit systemischer Sklerodermie sollten auch bei leichten Symptomen strikt für eine Woche zu Haus bleiben und sich ausruhen! Meist reichen symptomatische Massnahmen, wie bei einer Erkältungskrankheit üblich, aus.

 

Entwickelt sich das Vollbild der Schweinegrippe mit schwerem Krankheitsgefühl, Fieber über 38,5 grd , Halsschmerzen und/oder Husten, oft auch Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Brechreiz oder Erbrechen ist Gefahr im Verzug! Patienten mit systemischer Sklerodermie müssen dann dringend den Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen. Um das Risiko einer viralen Pneumonie (Lungenentzündung) und einer weiteren Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, muss schnellstmöglich d.h. innerhalb von 24 bis 36 Stunden mit dem antiviralen Medikament Tamiflu behandelt werden. Tamiflu wirkt nicht mehr ausreichend, wenn es zu spät, d.h. später als 3 Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome verabreicht wird.

 

Bei schwerer Atemnot, Krämpfen oder drohender Bewusstlosigkeit muss der Notarzt gerufen werden.

 

 

Alarmzeichen für einen sehr schweren Verlauf sind

  • Kurzatmigkeit und

  • das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen.

  • Starke Schmerzen im Brustkorb

  • Verwirrtheit oder Benommenheit

  • länger als 2 Tage Fieber über 39 grd

  • Absacken des Blutdrucks (kurze Ohnmacht beim Aufstehen)

 

 

Wie wird das Schweinegippevirus übertragen?

Das Virus wird von anderen durch Tröpfcheninfektion (Niessen, Husten) und durch Schmierinfektion (kontaminierte Hände oder Gegenstände) übertragen. Überträgerstoffe sind die Luft und Sekrete (Nasensekret, Tränenflüssigkeit, Mundschleim). Zu beachten ist, dass das Virus auch ausserhalb des Körpers auf Gegenständen und Oberflächen über längere Zeit überleben kann.

 

Die Übertragung geschieht entweder direkt von Mensch zu Mensch durch Haut- oder Schleimhautkontakt zum Beispiel beim Händeschütteln, aber auch durchs Küssen oder indirekt durch das Berühren kontaminierter Sachen und Gegenstände zum Beispiel Türgriffe, Handys, Haushaltsgegenstände, Geldscheine. Wie leicht das Virus im Alltag von der Haut aufgenommen wird und wir uns dadurch anstecken können, zeigt eindrücklich ein kurzer Videospot des Robert-Koch-Instituts Berlin – Link). Alles was andere mit ihren Händen berührt haben , könnte kontaminiert sein! Das gilt auch für Nahrungsmittel.

 

Die Viren gelangen nur über die Schleimhäute der Augen und Atemwege in den eigenen Körper, also durch die Berührung von Mund, Nase und Augen mit virusbeschmutzten Händen oder über das Einatmen virushaltiger Luft.

 

 

Welche Hygienemassnahmen zum Schutz vor Ansteckung werden empfohlen?

 

  • Abstand halten von Personen die Husten und Niessen (mindestens 1 Meter besser 2,5 m).

     

  • Falls kein Abstand halten möglich ist, zum Beispiel bei starker Menschenansammlung in öffentlichen Verkehrsmitteln) Schutzmaske für Mund und Nase tragen. Die normale OP-Maske hält ca 5 Stunden dicht. Die bessere FFP-Maske mit speziellem Atemventil kann bis zu 8 Stunden ununterbrochen getragen werden.

     

  • Geschlossene Räume zum Beispiel am Arbeitsplatz öfters lüften, um Virus-haltige Tröpfchennebel (Aerosole) aus den Räumen zu entfernen.

     

  • Händeschütteln vermeiden.

     

  • Hände wiederholt desinfizieren. Dies gilt auch bei unvermeidbarer Berührung der eigenen Nase, Mund und Augen sowie von Alltagsgegenständen und Oberflächen, die mit den Händen berührt werden.

 

  • Beim Händewaschen und -desinfizieren die Handaussenflächen und Fingerzwischenräume nicht vergessen.

 

Wie schütze ich andere, wenn ich die Schweinegrippe habe?

 

Entwickeln sich erste Erkältungssymptome, so kann man nicht sicher sein, ob dies schon Vorboten einer Schweinegrippe sind. Deshalb: Kontakt zu anderen meiden, besonders zu Schwangeren, Kleinkindern und chronisch Kranken bzw. ausreichend Abstand halten. Haben am nächsten Tag die Symptome zugenommen: den Besuch von Grossveranstaltungen, Kino-, Theater oder Restaurantbesuche mit zahlreichen Menschen in geschlossenen Räumen vermeiden. Falls enger Kontakt unvermeidbar (zum Beispiel im eigenen Haushalt zu den eigenen Familienangehörigen), Mundschutz tragen, um andere nicht durch Husten oder Niessen anzustecken. Falls kein Mundschutz zur Hand: in ein Papiertaschentuch husten oder schneuzen und danach das Papiertaschentuch entsorgen. Ausreichend Desinfektionsmittel zur Hand haben und nach Berührung von Mund, Nase oder Augen sowie Gebrauchs- und Alltagsgegenständen davon Gebrauch machen.

 

Soll man sich bei systemischer Sklerodermie gegen Schweinegrippe impfen lassen?

 

Grundsätzlich: Ja. Dies gilt besonders für Sklerodermiepatienten mit Lungen- und/oder Herzbeteiligung, mit allgemeiner körperlicher Abwehrschwäche (zum Beispiel im Rahmen einer schweren Darmbeteiligung) sowie bei erhöhter Infektanfälligkeit bei immunsuppressiver Therapie. Bei Patienten mit immunsuppressiver Therapie kann die Immunantwort abgeschwächt sein. Sie reicht aber in der Regel immer noch für einen Immunschutz aus (siehe auch).

 

Die Impfung gegen die Schweinegrippe und gegen die saisonale Grippe ist für Patienten mit systemischer Sklerodermie die beste Möglichkeit, sich vor der Grippe zu schützen. Im Fall einer Infektion besteht ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Lungenkomplikationen. Nach einer Viruspneumonie ist das Risiko für eine nachfolgende bakterielle Pneumonie erhöht. Deshalb sollten sich Sklerodermiepatienten mit Lungenbeteiligung auch gegen die Pneumokokken-Pneumonie impfen lassen.

 

Anders ist die Situation bei zirkumskripter Sklerodermie (lineare zirkumskripte Sklerodermie, Morphea). Hier besteht im Vergleich zur gesunden Bevölkerung zunächst kein erhöhtes Krankheitsrisiko. Für den Fall , dass bei ausgedehnter und rasch fortschreitender zirkumskripter Sklerodermie interne Medikamente wie Kortison oder Methotrexat gegeben werden, die die Abwehrkraft des Immunsystems herabsetzen, sollte unbedingt geimpft werden. Ist nur die Haut befallen und werden keine Medikamente eingenommen, die das Immunsystem beeinträchtigen, besteht zunächst kein erhöhtes Krankheitsrisiko.

 

 

 

 

Sklerodermie News vom 20.10.2018

Brustimplantate aus Silikon: Erhöhtes Risiko für Autoimmunkrankheiten / Rheuma-Krankheiten. Datenanalyse von mehr als 24500 Frauen in einem Zeitraum von bis zu 20 Jahre nach Implantation. 

ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30329056

 

 

 

 

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