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Aktuelle Broschüre als PDF
«Problem Sklerodermie
Eine Krankheit mit vielen Gesichtern»

 

Schweinegrippe und Systemische Sklerodermie

Teil 2:  Welcher Impfstoff ?

Im Teil 1 wurde bereits ausgeführt, dass sich insbesondere Patienten mit systemischer Sklerodermie und Beteiligung innerer Organe, besonders der Lunge und/oder des Herzens, aber auch bei allgemeiner körperlicher Abwehrschwäche, sei es durch die Krankheit Sklerodermie und/oder durch die gegen Sklerodermie eingeleitete Therapie, gegen das Schweinegrippevirus impfen lassen sollten. Diese Patienten mit systemischer Sklerodermie gehören zur Risikogruppe. Es stellt sich nun aber die Frage, welcher der zugelassenen Impfstoffe gegen die Schweinegrippe empfohlen werden kann bzw. welche Unterschiede zwischen den einzelnen Impfstoffen bestehen. Hierzu wird im Folgenden Stellung genommen.

 

Welche Impfstoffe gegen Schweinegrippe sind derzeit zugelassen und wie unterscheiden sie sich?

 

 

In der Schweiz sind derzeit 3 Impfstoffe gegen die Schweinegrippe zugelassen: Pandemrix (Fa. GlaxoSmithKline), Focetria (Fa. Novartis) und Celtura (Fa Novartis)

 

  • Pandemrix ab dem 18. Lebensjahr. Der Impfstoff ist registriert bis zum 60. Lebensjahr. Bei über 60-jährigen wird Pandemrix als "off label use" eingesetzt, d.h. Es bedarf einer vorherigen ausführlichen Beratung durch den Arzt. Vorzugsweise werden Personen ab 40 Jahren mit Pandemrix geimpft.

  • Focetria ausschliesslich für Kinder ab sechs Monaten und Jugendliche bis 18 Jahren mit chronischen Krankheiten, für Kinder bis zum 3. Lebensjahr sowie für Schwangere. Focetria muss für Kinder unter 10 Jahren zweimal geimpft werden.

  • Celtura ab dem 3. Lebensjahr, ab dem Alter von 40 Jahren ist eine zweite Impfung nach ca. drei Wochen nötig.

 

Pandemrix
Dieser Impfstoff entspricht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU. Swissmedic hat die Anwendung von Pandemrix für Erwachsene ab 18 Jahre bis 60 Jahre zugelassen, nicht aber für Kinder oder Schwangere. Erwachsene über 60 können aufgrund von Empfehlungen des BAG mit Pandemrix geimpft werden. Daten zeigen, dass eine einmalige Verabreichung des Grippe-Antigens A(H1N1) mit dem Adjuvans AS03 zu einem ausreichenden Impfschutz führt. Besondere Vorsicht ist erforderlich bei Verabreichung an Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, einem der Hilfsstoffe sowie gegenüber Thiomersal oder Rückständen, z.B. von Eiern wie Hühnereiweiss, Gentamycinsulfat, Formaldehyd, Natriumdeoxycholat.

 

Focetria

Focetria wird wie Pandemrix auf der Basis von Hühnereiern produziert. Der Impfstoff enthält das Adjuvans (MF59C.1), das bereits seit längerer Zeit breit in saisonalen Grippeimpfstoffen eingesetzt wird. Focetria wird zur Anwendung bei Erwachsenen und Kindern ab sechs Monaten empfohlen. 

Celtura

Der Impfstoff enthält wie Focetria das Adjuvans (MF59C.1). Celtura wird nicht auf Hühnereieren produziert, ist also für Hühnereiweisallergiker geeignet. Celtura wurde auf der Basis der vorliegenden klinischen Daten für Kinder ab drei Jahren sowie für Erwachsene aller Altersgruppen zugelassen. Daten zeigen, dass für Erwachsene ab 40 Jahren erst durch eine zweimalige Anwendung eine ausreichende Immunisierung erreicht wird. Daher sollen diese Personen zweimal im Abstand von drei Wochen geimpft werden. Die Virusmehrung für den Impfstoff Celtura wurde auf Nierenzelllinien vom Cockerspaniel vorgenommen, sodass der Impfstoff Spuren dieses Hundeproteins enthalten kann. Personen mit Allergien gegen Hundeprotein können auf Celtura verstärkt reagieren, Auch in einem solchen sollte zuvor der Allergologe beratend hinzugezogen werden.

 

 

Focetria

Celtura

Pandemrix

Zugelassen für

Schwangere. Kinder ab 6 Monate und Jugendliche bis 18. LJ mit Risikofaktoren

Kinder ab 3. LJ und Erwachsene

Erwachsene ab 18. LJ bis 60. LJ. Älter als 60 Jahre als „off label use“

Wiederholung der Impfung nach 3 Wochen ?

Ja.

Bei Kindern bis 9 LJ

Ja.

Bei Kindern bis 9. LJ Bei Erwachsene ab 40 LJ

Nein.

Adjuvans

MF59 (9,75 mg Squalen)

MF59 (4.875 mg Squalen)

AS03 (10,69 mg Squalen)

Auf Hühnerei gezüchnet?

ja

nein

ja

Impfstoff enthält Spuren von Hundeprotein?

Nein

Ja

nein

Impfstoff enthält Thiomersal?

Nein

Nein

ja

 

Bei allen drei Impfstoffen handelt es sich um totes Virusmaterial, d.h. eine Übertragung der Schweinegrippe durch die Impfung ist nicht möglich. Alle drei Impfstoff enthalten in unterschiedlicher Menge als Adjuvans den Wirkungsverstärker Squalen.

Squalen ist ein Fettmolekül, das in vielen Naturprodukten vorkommt und primär unbedenklich ist. Durch das Einspritzen von Squalen in den menschlichen Muskel im Rahmen der Grippeimpfung können aber kurzzeitig stärkere (im Prinzip gewollte) Immunreaktionen ausgelöst werden.

Die Frage, ob derartige Reaktionen für Patienten mit Autoimmunkrankheiten gefährlich sein können (im Sinne einer Auslösung oder Verschlechterung einer bereits bestehenden Autoimmunkrankheit), ist nicht explizit untersucht worden. 2 experimentelle Arbeiten an Ratten, bei denen eine extrem hohe Konzentration Squalen verabreicht worden war : mehr als das 80fach der Menge, die, bezogen auf das Körpergewicht beim Menschen, angewendet wird, hat bei einigen Ratten eine autoimmune Gelenkentzündung (Arthritis) ausgelöst, die der menschlichen Polyarthritis ähnlich ist. Ausserdem existieren wenige (!) Einzelberichte über das Auftreten von verschiedenen Autoimmnkrankheiten beim Menschen nach einer Grippeschutzimpfung mit dem Adjuvans AS03, der auch in Pandemrix verwendet wird. In keinem dieser Fälle (!) konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass das Adjuvans AS03 für die Auslösung des Autoimmunkrankheit verantwortlich war.

Focetria und Celtura besitzt ein etwas anders zusammengesetztes Adjuvans (MF59), das im Unterschied zu Pandemrix weniger Squalen enthält und bereits seit längerer Zeit breit in saisonalen Grippeimpfstoffen eingesetzt wird. Celtura besitzt von den drei genannten Impfstoffen den niedrigsten Gehalt an Squalen. Da Celtura in Fertigspritzen geliefert wird, konnte ausserdem auf den Zusatz von Thiomersal als Konservierungsstoff verzichtet werden. Dasselbe gilt für Focetria, das auch als Fertigspritze verfügbar ist.

Pandemrix wie Focetria werden auf der Basis von Hühnereiern produziert. Bei einer vorbestehenden Allergie gegen Hühnereiweiß besondere Vorsicht geboten (Beratung durch Allergologen sinnvoll). Pandemrix enthält ausserdem den Konservierungsstoff Thiomersal, Auch gegen Thiomersal kann selten eine Allergie bestehen, die aber in der Regel nicht gefährlich ist.

Celtura wird nicht auf Hühnereieren produziert, ist also für Hühnereiweisallergiker geeignet. Ein weiterer Vorteil von Celtura ist, dass es in Fertigspritzen geliefert wird, so dass bei diesem Impfstoffe auf den Zusatz von Thiomersal verzichtet werden kann. Auch für Focetria existieren Fertigspritzen ohne Thiomersal. Im Zusammenhang mit Celtura und Focetria wurde sehr selten (> 1/10.000) über das Auftreten einer Vasculitis (Gefässentzündung) mit vorüber gehender Nierenbeteiligung berichtet.

 

Kommentar (MB)

Aus grundsätzlichen Erwägungen wäre eine Impfung von Patienten mit Sklerodermie mit einem Impfstoff ohne Adjuvans wünschenswert. Ein solcher Impfstoff gegen das Virus A H1N1/09 („Schweinegrippevirus“) steht in der Schweiz derzeit aber nicht zur Verfügung. Celtura besitzt gegenüber Pandemrix und Focetria den geringsten Anteil an Squalen als Wirkungsverstärker und sollte m.E. deshalb den anderen beiden Impfstoffen (Pandemrix, Focetria) vorgezogen werden. Auch Fehlen bisher Hinweise zur Auslösung oder Verstärkung einer Kollagenose nach Verabreichung von Celtura. Die zunächst schwächere Immunantwort auf das H1N1-Virus nach Impfung mit Celtura hat aber den kleinen Nachteil, dass die Impfung im Abstand von 3 Wochen wiederholt werden muss, um einen ausreichenden Immunschutz zu erzielen.

 


Fatigue-Syndrom (Müdigkeit) bei Sklerodermie:

Sklerodermie News v. 8.1.2018

Die chronische Müdigkeit (sog. Fatigue-Syndrom) ist ein häufiges Symptom der Sklerodermie mit negativen Folgen für Lebensqualität, Elternaufgaben, Haushalt und Beruf der Betroffenen. Häufig damit einher gehend sind Depressionen, Schmerz und Schlafstörungen. Die medikamentöse Therapie des Fatigue-Syndroms ist meist wenig effektiv. Berichtet wird über Besserung durch regelmässigen Sport und fraglich auch durch alternative Medizin? Systematischer Review.


 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29303706

 

 

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