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Aktuelle Broschüre als PDF
«Problem Sklerodermie
Eine Krankheit mit vielen Gesichtern»

 

Bericht vom 1. Weltkongress für Sklerodermie Florenz/Italien, 11.-13. Februar 2010

Gerade ist der 1. Weltkongress für Sklerodermie in Florenz/Italien zu Ende gegangen. Über 1200 Teilnehmer, Ärzte aus aller Welt, Mediziner und Wissenschaftler haben ihre Erfahrungen und Ergebnisse zur Sklerodermie miteinander ausgetauscht.  Ich berichte Ihnen in den nächsten Tagen über wichtige  Ergebnisse dieses Kongresses zur Diagnose und Therapie der Sklerodermie. 

  • Bessere Mundöffnung bei Sklerodermie nach OP der Fibrose des Kiefergelenks 
  • Lebenserwartung systemische Sklerodermie - einfache Prognosekriterien
  • RNA Polymerase III Antikörper bei Sklerodermie: Hohes Risiko für Nieren- und Gelenkschäden
  • Unverträglichkeit und Unwirksamkeit von Glivec (Imatinib) bei systemischer Sklerodermie
  • Das  primäre Raynaud Phänomen ist nicht immer harmlos

  • Kriterien für die Frühdiagnose der systemischen Sklerodermie (VEDOSS)
  • CrP als Biomarker für eine erhöhte Krankheitsaktivität der Sklerodermie

Bessere Mundöffnung bei Sklerodermie nach OP der Fibrose des Kiefergelenks

Die Einschränkung der Mundöffnungsweite gehört zu den häufigsten Störungen der systemischen Sklerodermie (SSc). Sie hat gravierende negative Folgen  u.a. für die Nahrungsaufnahme, die Zahngesundheit, das Sprechen und die Mimik der Betroffenen. Melchiorre und Mitarbeiter von der Universität Florenz berichten nun über eine 70jährige SSc-Patienten mit starker Einschränkung der Mundöffnungsweite und Schmerzen in den Kiefergelenken. Aufgrund der Kapselfibrose der Kiefergelenke wurde in Lokalanästhesie eine operative Kapselsprengung vorgenommen mit Durchtrennung des seitlichen Kapselligaments. Dies führte zu einer schlagartigen Besserung der Kiefergelenkschmerzen und zu einer Besserung der Mundöffnungsweite um 1,3 cm.

Lebenserwartung systemische Sklerodermie - einfache Prognosekriterien

In einer europäischen Multicenterstudie untersuchten Fransen und Mitarbeiter von der Radboud Universität in  Nijmegen/Niederlande Prognosekriterien für das 5-Jahresüberleben von Patienten mit systemischer Sklerodermie (SSc). Angewendet wurde ein bereits früher von Bryan publiziertes Vorhersagemodell, das an einem Kollektiv von 1049 Patienten mit systemischer Sklerodermie überprüft wurde (30% diffuse SSc, 70% limitierte SSc, Durchschnittsalter der Patienten 50 Jahre). Nach 5 Jahren waren 11,9%  der untersuchten Patienten verstorben.

Prognostisch ungünstige Risikofaktoren hinsichtlich des 5-Jahresüberleben waren:

•·     Blutsenkungsgeschwindigkeit beschleunigt (>25 mm in der 1. Stunde)

•·     Eiweiss  im Urin  

•·     CO-Diffusion in der Lungenfunktion vermindert (< 70% der Norm)

•·     Hohes Alter

•·     Männliches Geschlecht

Ohne diese Risikofaktoren lebten nach 5 Jahren noch 96% der Patienten.Bei einem Risikofaktor lebten nach 5 Jahren noch 86% der Patienten, bei 2 Risikofaktoren noch 78,5%, bei 3 Risikofaktoren aber nur noch 75% der Patienten.

Die genannten Prognoseparameter sind einfach zu erheben und sollten Teil der Routineuntersuchungen von Sklerodermiepatienten sein.

 

RNA Polymerase III Antikörper bei Sklerodermie: Hohes Risiko für Nieren- und Gelenkschäden

Eine australischer Forschergruppe um Nikpour vom St. Vincent´s Hospital, Melbourne, Australien, untersuchte die Entwicklung von Organstörungen bei systemischer Sklerodermie im Zusammenhang mit dem Nachweis des RNA Polymerase III Antikörpers im Serum der Patienten. In einer Multicenter- Studie wurden die klinischen und serologischen Daten von 300 Patienten aus dem Australian Scleroderma Screening Program (ASSP) prospektiv erhoben und ausgewertet.

Der RNA Polymerase III Antikörper konnte bei 15,7% der Sklerodermie-Patienten im Serum nachgewiesen werden. RNA Polymerase III Antikörper waren häufiger bei diffuser systemischer Sklerodermie als bei limitierter systemischer Sklerodermie nachweisbar (p<0.0001).

Der Nachweis des RNA Polymerase III Antikörpers korrelierte mit dem Ausmass der Hautsklerose, gemessen mit dem modifizierten Rodnan Skin Score (mRSS).

Patienten mit RNA Polymerase III Antikörper hatten, unabhängig vom Subtyp der Sklerodermie,  ein hoch signifikantes Risiko für

  • Gelenkkontrakturen (p<0.0001)
  • Nierenkomplikationen (renale Krise) (p<0.0001)
  • Arterielle Hypertonie (p=0.002)

War der RNA Polymerase III Antikörper im Serum nicht nachweisbar, so war das Risiko für die Sklerodermiepatienten für eine schwere Nierenkomplikation gering (weniger als 3% der Patienten).

Abbruch der Studie mit Glivec (Imatinib) bei systemischer Sklerodermie wegen Unverträglichkeit und Unwirksamkeit

Der Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib wurde in einer Proof of Concept -Studie von Pope und Mitarbeitern von der University Western ON London/Canada und der McMaster Universität, Hamilton/Canada  bei Patienten mit diffuser systemischer Sklerodermie untersucht. Geplant war der Einschluss von 20 Patienten in eine randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie über 6 Monate.

Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, nachdem 5 der ersten 9 mit Imatinib behandelten Patienten zum Teil gravierende unerwünschte Wirkungen auf das Medikament gezeigt hatten (Flüssigkeitsretention, Schwäche, Übelkeit, Brustschmerz, Anämie, Haarverlust). Nur 4  der 9 Verumpatienten konnte die vorgesehene Therapiedauer von 6 Monaten regulär beenden.

In einer Zwischenauswertung zeigte sich Imatinib in keiner der untersuchten Parameter (div. Zytokinmessungen im Serum, HAQ, modified Rodnan Skin Score) gegenüber Placebo überlegen. Die Autoren halten es deshalb für unwahrscheinlich, dass Imatinib bei der Behandlung der frühen diffusen SSc eine geeignete Therapieoption darstellt.

 

Das  primäre Raynaud Phänomen ist nicht immer harmlos

Betroffene mit einem sogenannten primären Raynaud Phänomen (RP), d.h. mit zunächst fehlenden weiteren Krankheitszeichen, werden bisher vom Arzt fast immer dahin gehend aufgeklärt, dass es sich beim primären RP um eine „harmlose" funktionelle Störung der Gefässe handelt, die keiner weiteren Kontrolle bedarf.

Dieser Ansicht widerspricht nun Cutolo von der Universität Genua aufgrund eigener umfangreicher Erfahrungen mit der Kapillarmikroskopie bei RP. Er berichtet, dass ca 15% der Betroffenen mit einem primären Raynaud Phänomen und zunächst unauffälliger Kapillarmikroskopie innerhalb der ersten 3 Jahre nach Erstauftreten des RP pathologische Veränderungen der Kapillaren entwickeln, d.h. in ein sekundäres RP übergehen. In Kombination mit spezifischen antinukleären Antikörpern im Blut entwickelten 80% dieser Patienten im weiteren Verlauf eine systemische Sklerodermie.

Cutolo empfiehlt daher, dass alle Patienten mit einem primären RP in den ersten Jahren alle 6 Monate mittels Kapillarmikroskopie nachkontrolliert werden, um den Übergang in ein sekundäres RP rechtzeitig zu erkennen.

 

Kriterien für die Frühdiagnose der systemischen Sklerodermie (VEDOSS)

Immer noch wird die systemische Sklerodermie zu spät erkannt und werden notwendige Therapien verzögert eingeleitet. Eine frühe Diagnose der systemischen Sklerodermie (SSc) ist Voraussetzung, um den Krankheitsverlauf der Sklerodermie durch geeignete Therapie frühzeitig zu stoppen oder zu kontrollieren.  Bislang existierten weltweit keine Kriterien für die Frühdiagnose der systemischen Sklerodermie.

Diese Kriterien zu vereinbaren, war das Ziel der EUSTAR-Initiative VEDOSS (Very Early Diagnosis Of Systemic Sclerosis). An der Abstimmung beteiligten sich 110 Sklerodermie-Experten aus 85 Ländern. In einem mehrstufigen sogenannten Delphi-Verfahren wurden 121 vorgeschlagen und zur Abstimmung gebracht. Am Ende blieben 8 Kriterien für die frühe Diagnose der Sklerodermie übrig:

 

Klinische Veränderungen

  • Raynaud Phänomen
  • Schwellungen der Finger
  • Schwellungen der Finger mit Übergang zur Sklerodaktylie

Der Nachweis von Autoantiköpern im Blut

  • Antinukleäre Antikörper (ANA)
  • Antizentromer Antiköper (ACA)
  • Anti Topisomerase 1 Antikörper (Scl70 Antikörper)

Kapillarmikroskopische Veränderungen am Nagelrand

  • Megakapillaren
  • Mikroblutungen

 

Eine besonders hohe Relevanz für die Frühdiagnose der Sklerodermie haben nach Meinung der Experten:

  • Das Raynaud Phänomen
  • Kapillarmikroskopische Veränderungen am Nagelrand
  • Fingerschwellungen mit Übergang zur Sklerodaktylie
  • Der Antikörpernachweis im Serum (Scl70, ACA)

 

 

CrP als Biomarker für eine erhöhte Krankheitsaktivität der Sklerodermie

Die kanadische Arbeitsgruppe um J. Pope (Universität Montreal) stellte ihre Ergebnisse zum C-reaktiven Protein (CrP) als einfach im Blut zu messenden Biomarker für die Krankheitsaktivität der systemischen Sklerodermie (SSc) vor. CrP kann in jeder Hausarztpraxis bestimmt werden.

Untersucht wurden 938 SSc-Patienten, 47% mit diffuser und 53% mit limitierter SSc.  Eine Erhöhung des CrP korrelierte gut mit dem Ausmass der Hautverhärtung (mRSS) bei SSc und mit dem Score zur persönlichen Einschätzung der Krankheitsaktivität von Arzt und Patient (global assessment). BeiPatienten mit diffuser SSc korrelierte die CrP-Erhöhung auch mit der Sehnenentzündung (tendon friction rubs). 

Die CrP-Erhöhung scheint als Biomarker der Entzündungsaktivität der SSc besonders in Frühstadien der Erkrankung hilfreich, d.h. in den ersten 3 Jahren nach Auftreten der ersten Organsymptome. Die Korrelation war  bei Patienten mit diffuser SSc. besonders gut. 

Die CrP-Erhöhung ist auch deshalb interessant, weil sie der Hochregulation des Zytokins IL-6  folgt. IL-6 spielt für die Entzündungsaktivität der Sklerodermie eine heraus ragende Rolle und wurde sowohl in der Haut als auch im Blut von Sklerodermiepatienten  erhöht nachgewiesen.  CrP scheint deshalb auch als Verlaufs- und Zielparameter für die Therapie der Sklerodermie interessant.

Fortsetzung folgt - bleiben Sie dran!

 


Fatigue-Syndrom (Müdigkeit) bei Sklerodermie:

Sklerodermie News v. 8.1.2018

Die chronische Müdigkeit (sog. Fatigue-Syndrom) ist ein häufiges Symptom der Sklerodermie mit negativen Folgen für Lebensqualität, Elternaufgaben, Haushalt und Beruf der Betroffenen. Häufig damit einher gehend sind Depressionen, Schmerz und Schlafstörungen. Die medikamentöse Therapie des Fatigue-Syndroms ist meist wenig effektiv. Berichtet wird über Besserung durch regelmässigen Sport und fraglich auch durch alternative Medizin? Systematischer Review.


 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29303706

 

 

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